Piz Tomül (2943m)  Adula Alpen

Fast 3000er über dem Safiental

Der Piz Tomül verdankt seinen doch relativ bekannten Namen dem nahegelegenen Tomülpass, welcher häufig als Übergang vom Safiental ins Valsertal benutzt wird. Dementsprechend gibt es auch zwei mögliche Ausgangspunkte für die Tour, nämlich das Turrahaus im Safiental und die mit dem Valser Wanderbus erreichbare Station Riefawald.

Piz Tomuel

Beim Valsertal handelt es sich um ein wildes, tiefeingeschnittenes Hochtal, welches seit dem frühen 14. Jahrhundert von den aus Süden, vom Rheinwald her kommenden Walsern besiedelt und alemannisiert wurde. Damit wäre auch der Name erklärt. Zentrum der aus mehreren Ortsteilen bestehenden Talgemeinde ist Vals Platz (oder Vals Bad), ein ruhiger Ferien-und Skiort mit gerade mal 900 Einwohnern. Der Name Vals Bad rührt von Thermalquellen her, welche Heilung bei Rheuma, Gicht, Nieren-und Blasenleiden, Herzstörungen und anderen Gebrechen versprechen. Seit den 70ger Jahren befinden sich diese in einem ausgebauten Kurzentrum im Ort selbst. Sehenswert ist der gut erhaltene alte Dorfkern mit einer recht beträchtlichen Sammlung von Schmuck-und Gebrauchsgegenständen aus der Walserzeit, die sich im Gandahaus befindet, einem Bauernhaus aus den 16. Jahrhundert. Dieses Gandahaus befand sich früher in einem anderen Talort, wurde aber nach seinem Verfall hier wieder aufgebaut. Ebenfalls empfehlenswert ist ein Besuch der Pfarrkirche im Dorf mit ihrem reich geschmückten Tabernakel. Als wichtigstes Ausflugsziel der näheren Umgebung darf natürlich der Zerfreilastausee nicht unerwähnt bleiben. Er bietet interessante Ausblicke auf die Rheinwaldhorngruppe, und seine Staumauer dient als Ausgangspunkt für zahlreiche Bergtouren.

Der Gipfel selbst stellt den Kulminationspunkt der Berggruppe dar und kann vom Pass aus "mitgenommen" werden. Seine flache dreiseitige Pyramide bietet aufgrund ihrer recht freistehenden Lage und beachtlichen Höhe eine erstklassige Rundsicht über die Surselva.

Der Gipfel ist ohne jegliche Schwierigkeiten zu erreichen und wird deshalb auch im Winter gerne als Skitour gemacht. Allerdings sind die Aufstiege von beiden Seiten aus lang und mühsam, und lassen sich nicht durch eine Hüttenübernachtung verkürzen. 1300 Höhenmeter von der Safienseite aus lassen sich aber ganz gut als Tagestour bewältigen. Die Strecke vom Safiental aus hoch zum Tomülpass ist vor allem auch von Mountainbikern entdeckt worden, die aber einen großen Teil der Strecke schieben müsse. Mir gelang es mehrere von ihnen zu überholen.

Formschön überragt sein trapezförmiger Gipfelaufbau den Tomülpass und das Safiental, trotzdem handelt es sich hier um den leichtesten Berg dieses Buches. Leicht Probleme könnten die Busverbindungen ins Safiental bereiten. Nur alle zwei Stunden bequemt sich ein Bus hier hinein und ab 19 Uhr steckt man im Tal fest.

Der Wegverlauf

Auf der Safierseite ist das Turrahaus der ideale Ausgangspunkt. Es kann mit dem Auto oder dem Postbus erreicht werden und bietet eine Übernachtungsmöglichkeit. Von hier aus folgt man dem beschilderten Weg über die Alp Falätscha in Serpentinen zur Passhöhe des Tomülpasses auf 2412 Metern. Von nahezu optimaler Steigung ist der breite Bergwanderweg. Nirgends so steil das es zu anstrengend wird, aber auch ohne langwierige Flachstücke mit kaum Höhengewinn. Schon kurz vor der Passhöhe leiten Rechterhand Spuren über einen Rasenhang nach Norden, und führen einem großen Strommasten entgegen. Dann winden sie sich mit zweimaligem Überschreiten eines Weidezaunes bei Punkt 2527 endgültig den langgezogenen Südostgrat hinauf. Die Wegspuren werden nun wieder deutlicher und sind nicht zu verfehlen. Schritt für Schritt weitet sich das Panorama, rechts unter uns liegt das Safiental von wo sich Bruschghorn und Piz Beverin abheben, links der Zervreilastausee, von den Zwillingsgipfeln Rheinwaldhorn und Güferhorn bewacht. Hinter uns reihen sich die Splügener Kalkberge auf. Am Gipfelkopf wendet sich der Pfad nach Links um eine Felsstufe zu umgehen. Nach einer weiteren Umgehung, diesmal auf der rechten Seite führt der Weg über steile Schutthänge direkt auf den Gipfel zu, welcher in wenigen Minuten erreicht ist. Mit viel Glück sind auch hier kleinere Kristallfunde möglich, besser stehen die Chancen eine Gämse zu Gesicht zu bekommen. Trotz der eher leichten Erreichbarkeit befanden sich an einem schönen Julisamstag außer mir nur noch zwei weitere Personen am Berg. Dank seiner Höhe und vor allem der freistehenden Lage bietet er eine erstklassige Rundsicht, im welcher Tödi, Ringelspitz und die Rhienwaldhorngruppe die Höhepunkte darstellen. Auch das mächtige Tambohorn kommt sehr gut zur Geltung ebenso wie die in unmittelbarer Nähe aufragenden Splügener Kalkberge und das Bruschghorn. Mehr als 1500 Höhenmeter unter uns erstreckt sich das Valsertal mit dem tiefblauen Zerfreilastausee eine Etage höher.

Von der Valserseite fahre man mit dem Valser Wanderbus zum Riefawald, und folge von dort ebenfalls dem markierten und beschilderten Wanderweg zur Tomülpasshöhe. Informationen zum Wanderbus erteilt das Verkehrsbüro in Vals. Von der Passhöhe folgt man dann dem schon beschriebenen Wegverlauf zum Gipfel.

Natürlich bietet es sich hier an ebenfalls den Übergang von einem Tal ins andere durchzuführen, wobei von Vorteil ist auf das Auto zu verzichten, um keinem Rückkehrzwang ausgesetzt zu sein.

Talorte: Vals und Safien-Platz (1600m)

Höhenunterschiede: Riefawald-Piz Tomül: Turrahaus-Piz Tomül

Zeiten: Riefawald-Piz Tomül: 4,5 St. Aufstieg und 3 St. Abstieg; Turrahaus-Piz Tomül: 4,5 St. Aufstieg und 3 St. Abstieg

Schwierigkeit: erfahrener Bergwanderer, kein Eis

Stützpunkte: keiner

Übernachtungsmöglichkeiten im Talort: Chappelihaus (tel. 0716881244) und Haus Talblick (tel. 0819351525) in Vals und Jugendherberge in Safien Thalkirch (tel. 0816471107)

ÖPNV-Anbindungen: jeweils regelmäßige Postbusse von Illanz