Bruschghorn (3056 m) Adula Alpen

Breite Mauer über dem Safiental

Das Bruschghorn ist der höchste Punkt der Kette vom Piz Beverin bis zu den Splügerner Kalkbergen. Wesentlich bekannter ist aber, obwohl kein Dreitausender, sein über 50 Meter niedrigerer Nachbar, der Piz Beverin. Dieser sicherlich zu Recht viel gerühmte Aussichtsberg erhebt sich markant über dem Tal von Thusis und ist zudem über einen Pfad sehr leicht zu erreichen. In Puncto Fernsicht allerdings übertrifft ihn sein höherer Nachbar noch, welcher zudem auch interessante Tiefblicke ins Safiental liefert. In Strahler kreisen gilt der Piz Beverin als Kristallberg Nummer eins in ganz Graubünden.

Bruschghorn vom Gelbhorn

Da das Bruschghorn in seiner unmittelbaren Nähe aufragt, lassen sich auch hier schöne Quarzkristalle finden. Vor allem der glasklare Bergkristall ist hier stark vertreten. Auch am Bruschghorn halten sich die Anforderungen an den Alpinisten in Grenzen. Allerdings muss man sich den Weg größtenteils selbst suchen, und der Anstieg von Wergenstein weist doch eine recht ordentliche Länge auf. Autofahrer können die Tour jedoch deutlich abkürzen, indem sie den holprigen Fahrweg bis zum Parkplatz auf 2344 Metern Höhe benutzen. Für Busbenutzer wäre hier sicherlich Autostop einen Versuch wert, da meine Erfahrung zeigt, dass Wanderer in solch abgelegenen Tälern gern mitgenommen werden. Außerdem ist die Chance groß auf andere Berggänger zu treffen, welche sich untereinander sowieso helfen sollten. Öfters als im Sommer wird das Bruschghorn im Winter als Skitour begangen, wobei der Ausgangangspunkt ebenfalls in Wergenstein liegt.

Dieser Ort befindet sich in der Region Domleschg/Heinzenberg, welche als die Burgen reichste in ganz Europa gilt. Alte Walsersiedlungen, die Kirche von Zillis oder die Viamalaschlucht sind nur einige der zahlreichen Attraktionen dieses Gebietes. Ein Besuch der Viamalaschlucht bietet sich in Kombination mit der Tour geradezu an, von Thusis aus ist sie in kurzer Zeit mit dem Bus oder dem Auto zu erreichen. Viamala bedeutet "schlechter Weg" und weist auf die Probleme hin, welche das Begehen dieser Schlucht den Menschen im Mittelalter bereitete. Über 321 gesicherte Stufen kann man bis zum Rhein absteigen, Überreste des alten Weges aus dem Mittelalter sind noch sichtbar. Strudeltöpfe und die alte Brücke aus dem Jahr 1739 (70 Meter über dem Wasser), dazu bis zu 300 Meter hohe Felsabbrüche runden dieses starke Landschaftserlebnis ab.

Das Domleschg besteht aus fruchtbaren Flussebenen und Talterassen, exponierten Felsstufen, blumenreichen Maiensässen und ausgedehnten Alpweiden. Hier werden dank dem Fond Landschaft Schweiz der Hochstamm-Obstbau, Hecken und Feldgehölze, aber vor allem auch Trockenmauern gepflegt, restauriert und wieder aufgebaut. Die kleinräumige, liebliche Kulturlandschaft bietet artgerechte Lebensräume für Vögel, Schmetterlinge, Eidechsen, Frösche und nicht zuletzt für den Menschen. In einer intakten Landschaft umringt von Burgen, Schlössern und Ruinen befinden sich Gärten in südlichem Klima.

Eine besondere Attraktion, gerade für Stadtkinder bietet der Erlebnisbauernhof Flerden oberhalb von Mathon. Was dort neben Kälber streicheln, Ziegen füttern und mit den Lamas spazieren gehen noch so alles geboten wird lässt sich unter www.erlebnisbauernhof.net herausfinden.

Der Wegverlauf

Wer mit dem Bus anreist, startet direkt im bäuerlich geprägten Ortskern von Wergenstein wo rechtsseitig auch der Fahrweg dem Bruschghorn entgegen beginnt. Über Serpentinen geht es nun auf breitem, sehr gemächlich ansteigendem Weg auf eine kleine Almsiedlung zu. Wer möchte kann auch über die linksseitigen Weidehänge abkürzen, die Pfadspuren führen immer wieder auf den Hauptweg zurück. Aussichtsreich ist der Weg, je nach Gehrichtung hat man entweder den Piz Beverin direkt vor Augen, das Lenzerhorn und das Arosarothorn oder Piz Curver und Piz Grisch. Ein Viehgatter und ein kleiner Parkplatz befinden sich auf Punkt 2344 am Ende des geschotterten Fahrweges, für den keine Sonderbewilligung vonnöten ist. Der Weg wendet sich nun nach Links, wo ein lang gezogerner Gegenabstieg mit nur geringem Höhenverlust einem abgelegenen Bauernhof zustrebt. Von hier aus führt ein breiter Weg zuerst auf das Gelbhorn zu. Es trägt seinen Namen zurecht und ist deshalb sehr leicht auszumachen. Doch schon an der ersten Kurve wo der Weg sich nach rechts wendet verlassen wir ihn wieder und halten uns auf sehr undeutlichen Pfadspuren weiter Richtung Gelbhorn. Einige Rasenaufschwünge gilt es zu überwinden, rechts immer die Einsattelung zwischen Piz Tuv und dem Bruschghorn Vorgipfel vor Augen, denn diese ist der nächste sichtbare Zielpunkt. Lang zog sich der Weg bis dorthin, ich fragte mich schon ob ich den Gipfel noch erreiche. Das Gelände ist etwas sumpfig, Kühe und Frösche sind unsere ständigen Begleiter. Dann taucht Rechterhand der Schlusshang zum Sattel vor uns auf. Der Schutt wird immer wieder von Rasenbändern durchzogen und ist gut begehbar, sodass kurze Zeit später der Sattel auf ca. 2800 Metern Höhe betreten wird. Ab hier lohnt es sich für Mineralienfreunde die Augen offen zu halten, vor allem schöne klare Bergkristalle lassen sich hier finden. Beim weiteren Aufstieg den Grat hinauf liegen oft die besten Stücke. Einem dunklen Felsaufschwung weichen wir dann linksseitig über ein Schneefeld oder Schutthänge aus, wobei eventuell auch ein wenig abgestiegen werden muss. Aber der rundliche, harmlose Gipfelkopf ist nun schon gut sichtbar und bietet keinerlei Schwierigkeiten. Vorher allerdings muß der Nordostgrat zur Linken erneut erreicht werden, vielleicht 20-30 Höhenmeter, die aber durch tiefen, rutschigen Schieferschutt einige Mühen kosten. Am Grat wird der Weg dann aber zum Glück schon wieder fester und Spuren leiten zum dunklen Gipfel hinauf. Oben hat man einen fantastischen Überblick über ganz Graubünden, vor allem die benachbarten Splügener Kalkberge und der Piz Beverin kommen sehr gut zur Geltung. Weit reicht der Blick nach Süden und Westen über die komplette Surselva und an klaren Tagen kommen sogar die Berner Alpen noch mit ins Blickfeld. Davor stechen vor allem Tödi und Rheinwaldhorn aus dem Gipfelmeer heraus. Mir persönlich stand am Gipfel zusätzlich noch eine Gämse auf ca. 10 Metern Auge in Auge gegenüber um dann nach der ersten Überraschung über mein Eindringen in ihr Reich in Richtung Safiental zu verschwinden.

Für den Abstieg ist der Aufstiegsweg zu empfehlen, wobei nun jede Abkürzungsmöglichkeit warnehmens wert ist. Die Tour es sehr lang, sodass sich ein frühzeitiger Aufbruch empfiehlt. Wer wie ich mit der ersten Verbindung von Arosa aus erst kurz vor 10 Uhr Wergenstein erreicht könnte aufgrund des großen benötigten Zeitaufwandes doch schnell einmal Probleme bekommen, gerade bei unsicherem Wetter. In einsetzendem Regen erreichte ich auf die Sekunde genau im Laufschritt meinen Bus, zum Lohn lief uns dann bei der Rückfahrt noch ein Fuchs über den Weg.

Talort: Wergenstein (1494 m)

Ausgangspunkt: Wergenstein oder Parkplatz 2344 m

Zeiten: Wergenstein-Bruschghorn: 5 St., Abstieg 3,5-4 St. ; Parkplatz-Bruschghorn: 3 St. , Abstieg: 2 St.

Höhenunterschiede: Wergenstein-Bruschghorn: knapp 1600 Hm. ; Parkplatz Bruschghorn: knapp 800 Hm. (Gegenanstieg)

Schwierigkeiten: Altschneereste, ansonsten für den erfahrenen Bergwanderer problemlos

Stützpunkte: keiner

Übernachtungsmöglichkeiten im Talort: Mathon: Altes Schulhaus, tel.: 081/6611749

ÖPNV-Anschluss: Busverbindungen von Thusis, in Zillis umsteigen, eventuell bei Bahnen oder Busfahrer erkundigen