Piz Riein (2762 m) Adula Alpen, Signinagruppe

Auf das Wahrzeichen von Laax

Die Signinagruppe ist der Blickfang schlechthin vom berühmten Skizirkus Flims/Laax/Falera aus. Dass sie nicht an die Weiße Arena angeschlossen wurde, verdankt sie wohl vor allem der Tatsache, das sie durch das breite Rheintal von einem der größten Skigebiete der Schweiz getrennt ist. Ausgangspunkt für diese Gebirgsgruppe ist das stille und unerschlossene Safiental, bzw. der kleine Ort Tenna. Es handelt sich dabei um ein idyllisches Walserdorf mit einer kleinen Kirche aus dem 14. Jahrhundert. In deren Schiff wurden 1957 bedeutende Fresken aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts entdeckt.

Piz Riein

Neben ein paar romanisch anmutenden Holzhäuschen befinden sich in der Ortsmitte noch ein Brunnen, und ein kleiner Laden mit unregelmäßigen Öffnungszeiten. Der Ort liegt auf 1642 Metern Seehöhe und ist nur über einen steilen Fahrweg zu erreichen. Dieser schlängelt sich den Osthang der Signinagruppe hinauf, liegt also über dem eigentlichen Safiental. Hauptort in diesem Tal ist Safien-Platz, das aber ebenfalls nur aus wenigen Häusern besteht. Den Taleingang bildet Versam, noch ein sehr kleiner Ort, direkt über den steilen Kalkmauern der Rheinschlucht oder Rheinaulta gelegen. Vor rund 15000 Jahren stürzte vom Flimserstein eine Gesteinsmasse von ungefähr 15 Kubikkilometern Fels in die Tiefe und staute den Rhein. Somit bildete sich im Raum des heutigen Illanz ein gigantischer See, welcher sich nach dem Durchbruch des Rheines durch die riesige Felsmasse entleerte. Über Jahrtausende hat sich der Rhein im Gebiet des Flimser Bergsturzes, einer der größten seiner Zunft in ganz Europa, in die weißen Gesteinsschluchten gegraben und bizarre Felsformationen geschaffen. Er arbeitet auch weiterhin an seinem Flussbett, verschiebt es bei Hochwasser und bildet Kiesinseln als Lebensraum für besondere Kleintiere und Pionierpflanzen. Bei der Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln wird die Rheinschlucht während der Bahnreise von Chur nach Illanz durchfahren. Wer den Rhein schon mal bei Köln oder Duisburg gesehen hat, wird diesen hier noch klaren und bläulichen Strom kaum wieder erkennen.

Höchster Gipfel der stark verwitterten Signinagruppe ist der Piz Fess mit 2880 Metern. Zumeist wird aber nur seine nördliche Spitze, der kleine Fess bestiegen, der Übergang zum "bösen Fess" der Südspitze weist Kletterei im dritten Schwierigkeitsgrat auf und führt durch sehr brüchigen Fels. Dem Namen nach ist der Piz Riein kaum bekannt, obwohl er derjenige ist, welcher sich von Laax aus gesehen genau auf der Vorderseite des Massivs aufbaut und deshalb oft bewundert wird. Wie ein gewaltiges Dreieck schiebt seine Nordflanke sich über das Tal. Bestiegen indes wird er trotzdem nur selten, kaum ein Skifahrer wird ihn von Laax aus benennen können. Signina allerdings, der Gesamtbegriff für diese übersichtliche Berggruppe, ist fast jedem Laaxurlauber ein Begriff.

Der Wegverlauf

Direkt von der Ortsmitte Tennas aus führt ein markierter Pfad durch die Weideflächen der Ostflanke der Signina steil und im engen Zickzackkurs zum Schneeboden, einer Firnhochfläche zwischen Piz Riein und Piz Fess, von wo aus beide Gipfel ohne besondere Schwierigkeiten erstiegen werden können. Daher ist es auch kein Problem beide Gipfel zu kombinieren und sie an einem Tag zu besteigen. Der Pfad windet sich weiter unten zuerst nach Nord (Rechts), macht dann einen weiten Linksbogen, bevor er zum Tenner Kreuz abzweigt. Wir halten uns an dieser Weggabelung links und gewinnen auf recht steilen Serpentinen schnell an Höhe und über Weideflächen den Schneeboden. Vorher muss allerdings noch ein kleiner Gebirgsbach überquert werden. Zur rechten Seite erhebt sich nun der Piz Riein als nördlicher Eckpfeiler der Signina-Gruppe. Er ist es, der eigentlich das Ortsbild von Flims und Laax prägt, da er den Piz Fess verdeckt. Zu oft hatte ich von Flims aus zu ihm hinaufgeschaut als das ich seine Besteigung hätte auslassen könnte. Diese gestaltet sich weiterhin einfach. Pfadspuren führen durch sehr steiles Weidegelände und Schutt auf den Gipfel zu. Auch der abschließende Grat von Süden her bietet keine ernsthaften Schwierigkeiten. Immer wieder sind Pfadspuren zu finden und umgehen potentielle Hindernisse. Nur eine gehörige Portion Schwindelfreiheit ist notwendig um den spitz aufragenden Gipfelpunkt zu erklimmen. Ein Erlebnis sondergleichen ist der direkte Tiefblick ins Rheintal und auf das Flimser Skigebiet. Weiter oben reihen sich die Hochgipfel der Glarner Alpen vom Ringelspitz, Piz Segnes, Sardona über den mit Liften verunstalteten Vorab, Hausstock und Brigelser Hörner bis hin zum Tödi, wie eine Perlenkette vor uns auf. Zurück auf dem Schneeboden kann nun noch über sanft geneigten Firn, und auf danach wieder deutlichen Pfaden ohne jegliche Schwierigkeiten der kleine Fess erstiegen werden. Nebenan erhebt sich turmartig und unnahbar, einige Meter höher aufragend der Große Fess, dessen spitzer Ostgrat mir aber zu abschreckend wirkt, als das ich einen Besteigungsversuch starte. Leider bietet sich keine Rundtour Alternative an, sodass auf dem Anstiegsweg auch wieder abgestiegen werden muss, doch Tenna lohnt sicher einen kurzen Aufenthalt.

Talort: Tenna (1642 m)

Ausgangspunkt: Tenna

Zeiten: Tenna-Piz Riein: 3 bis 3,5 St. , Abstieg 2 St. ; Schneeboden-Piz Fess: 1,5 St. Mehraufwand für Auf-und Abstieg

Höhenunterschiede: Tenna-Piz Riein: 1150 Hm. ; Tenna-Piz Fess: 1200 Hm.

Schwierigkeiten: für erfahrene Bergwanderer gut geeignet

Übernachtungsmöglichkeiten im Talort: Jugendherberge Safien-Thalkirch, tel.: 081/6471107

ÖPNV-Anschluß: Busse von Versam (nur 2-Stündig), Versam ist Haltepunkt auf der Bahstrecke Chur-Disentis