Piz Cagniel (2970 m) Aversberge

Fast 3000er im Oberhalbstein

Auch unter den sowieso schon recht selten begangenen Aversbergen gehört der Piz Cagniel zu den am seltensten bestiegenen. Die 3000-Metermarke verfehlt er ebenfalls, wenn auch nur um äußerst knappe 30 Meter. Seine höheren Nachbarn Wissberg und Piz Forbesch (3261 m) stehlen ihm vor allem bei Ansichten aus weiterer Ferne zu deutlich die Schau. Trotzdem bietet er von Radons aus oder vom Übergang zur Furcla Saletscha ein imposantes Bild., das zu einer Besteigung geradezu einlädt. Der Piz Cagniel bildet den westlichen Eckpunkt des Arblatsch-Forbesch Massivs und grenzt sich vom Südwestgrat des Piz Forbesch deutlich durch die Furcla Cagniel (2748 m) ab.

Piz Cagniel

Sein Name stammt entweder aus Calcagniel, der Verkleinerungsform von Chalchagn = Ferse, oder aus Cugniel, der Verkleinerungsform von cugn, was soviel wie Keil oder Ecke bedeutet. Der Berg wird zwar dem Aversgebirge zugeordnet, ist aber vom Averstal aus nur schwer zu erreichen. Deshalb erfoglt der günstigste Zustieg vom Savogniner Ortsteil Radons aus. Aufgrund der höheren Nachbarn und den eher mühsamen Zustieg erhält er allerdings kaum je Besuch. Dies finde ich etwas verwunderlich, da die Tour von Radons aus durchaus vielversprechend wirkt und der Berg außerdem recht schnell mit weniger als 1200 Höhenmetern Unterschied zu erreichen ist. Radons selbst ist eine Art Ferienhaussiedlung mit einigen Gasthäusern und einer Gruppenunterkunft. Es kann im Sommer mit dem Postbus, oder auch mit dem Auto von Savognin aus schnell und einfach erreicht werden. Wer sparen möchte sollte sich im Savogniner Tourismusbüro nach dem Wanderbus in Richtung Radons erkundigen. Dieser ist kostenlos, es muss sich aber vorher angemeldet werden. Wie ich finde eine gelungene Maßnahme das Verkehrsproblem etwas einzuschränken. Im Winter ist Radons Teil des Savogniner Skigebietes und mit einigen Sesselliften erschlossen. Direkt oberhalb des kleinen Alpweilers erhebt sich der Piz Martegnas (2670), der Skiberg im Raum Savognin überhaupt. Auch für Paragleiter bietet sich seine hochgelegene Gipfelfläche an. Im Winter ist der Startplatz mit dem Lift zu erreichen, im Sommer müssen 2 Stunden Anstiegszeit in Kauf genommen werden. Savognin selbst ist mit seinen 1500 Einwohnern der Hauptort im Surses und bietet sowohl im Sommer als auch im Winter eine breite Fülle an sportlichen und kulturellen Angeboten. Zudem ist es durch eine verkehrsgünstige Lage direkt am bekannten und vielbefahrenen Julierpass gesegnet und hat sich nicht zuletzt deshalb zu einem echten Bündner Ferienklassiker entwickelt.

Der Wegverlauf

Der Ausgangspunkt Radons liegt auf günstigen 1866 Metern Meereshöhe und ist mit diversen Verkehrsmitteln erreichbar. Vom Parkplatz führt der Weg zuerst leicht absteigend nach links in das Val Curtengs, wobei der Ava de Nandro über eine kleine Holzbrücke überquert wird. Weiter geht es nun durch das langgezogene Tal unterhalb der mächtigen Nordwände von Piz Forbesch und Piz Arblatsch, auf nicht immer deutlichen Pfaden, dafür aber mit zahlreichen weiß-rot-weißen Markierungen, der Furcla Starlera entgegen. Diese ist auch von Innerferrera aus über die Alp Starlera zu erreichen, was aber über 500 Höhenmeter mehr an Aufstieg bedeuten würde. Aus der Furcla Starlera heraus wendet man sich linksseitig nach Südosten dem Pfad zur Furcla Curtengs zu, welcher weiter nach Juf oder zur kleinen Alpsiedlung Tga führt, direkt unter den gewaltigen Ostabstürzen des alles beherrschenden Piz Platta. Von der Furcla Curtengs auf immerhin schon 2658 Metern erreicht man über den recht gut begehbaren Schutthang gegen Norden den Cagniel Westgrat. Dieser löst sich im Laufe des weiteren Anstieges in eine Halde mit rutschigem Schieferschutt auf. Über brüchige Begrenzungsfelsen gewinnt man rechtsseitig wenig schwierig den Gipfel. Von der Furcla Curtengs aus ist ungefähr eine Stunde zum Gipfel zu veranschlagen.

Über die Furcla Cagniel

Hier handelt es sich um einen weglosen Übergang vom Val Curtengs ins Val Gronda. Sie ist mit 2748 Metern deutlich höher gelegen als die Furcla Curtengs, dafür ist der Weg von Radons hier aber kürzer. Man folgt von hier dem beschriebenen Weg durch das Val Curtengs bis auf ca. 2100 Meter Höhe. Weiter gewinnt man über einen Schuttkegel eine sich oben gabelnde Geröllrinne. Ihr westlicher (rechter) Arm leitet in die Mulde von Caldera, von wo aus der Sattel leicht erreichbar ist.

Von Tga aus erreicht man die Lücke durch das Val Gronda. Tga ist nur zu Fuß von Mulegns zu erreichen, was eine Übernachtung fast unumgänglich macht. Das Tal wird bei Punkt 2200 verlassen, wobei man über die steilen Grashänge von Cagniel und durch ein Schuttcoleur zum Grat aufsteigt. Aus der Furcla Cagniel selbst steigt man dann südlich der Gratfelsen zum oberen Ende der dortigen Schuttmulde hinauf. Über den grobblockigen Grat ist der Gipfel nach kurzer Zeit in wenig schwieriger Kletterei geschafft.

Am Gipfel beherrschen dann Wissberg und Piz Forbesch neben dem alles überragenden Piz Platta das Bild. Die Bergünerstöcke sind gut sichtbar. Auch die Plessuralpen und ganz im Süden die Berninagruppe vermitteln interessante Ansichten. Im Norden reihen sich die Glarner Alpen aneinander, während ostseitig Piz Kesch und Piz Linard herausstechen.

Der Abstieg erfolgt am besten auf einem der beiden beschriebenen Aufstiegswege, da alle anderen Varianten deutlich anspruchsvoller sind.

Talort: Savognin (1200 m)

Ausgangspunkt: Radons (1866 m)

Zeiten: Radons-Piz Cagniel: 3 St. Abstieg 2 St.

Höhenunterschiede: Radons-Piz Cagniel: 1150 Hm.

Schwierigkeiten: Fels wenig schwierig , Schneefelder

Übernachtungsmöglichkeit im Talort: Savognin: Camp Julia, tel.: 081/6841309 ; Radons: Lager Pienta, tel.: 081/6841105

ÖPNV-Anbindung: Savognin liegt auf der Postautostrecke Chur-St. Moritz, Radons wird mit dem Postauto und dem Savogniner Wanderbus angefahren