Pizza Naira (2870 m)

Auf die "Schwarze Spitze"

Schwarzhörner gibt es, genau wie Weiß-und Rothörner jede Menge in den Alpen, vor allem wenn man die Gipfelnamen aus den Landessprachen ins Hochdeutsche übersetzt. So steht das rätoromanische "nair" oder eben "naira" für schwarz, was die Anzahl der Schwarzhörner in Graubünden beträchtlich erhöhen dürfte. Bekanntester Vertreter dieser Spezies ist wohl der seilbahnerschlossene Dreitausender Piz Nair im Oberengadin, welcher im Winter als Skigebiet dient.

Pizza Naira und Lenzerhorn vom Erzhorn

Unser Pizza Naira ist nun aber kaum bekannt, anstatt eines Skigebietes beherbergt er im Winter nur eine geringe Anzahl von Skitourengängern und im Sommer allenfalls eine Herde Steinböcke. Je nach Lichtverhältnissen schimmert sein Gestein eher grau als Schwarz. Der Berg baut sich vor allem aus Kalk und Schieferschutt auf. Ich habe hier schon kleine Calcitgesteine finden können, aber als Kristallberg ist die Pizza Naira trotzdem nicht gerade zu bezeichnen. Allerdings ist er neben dem Parpaner Schwarzhorn der einzige Plessuralpenberg wo überhaupt winzige Kristalle gefunden werden können.

Der Berg befindet sich im hintersten Winkel des Welschtobeltales genau zwischen Arosa und Lenzerheide. Dementsprechend sind beide Orte als Ausgangspunkte in Erwägung zu ziehen, auch ein Übergang von einem zum anderen Ort ist möglich. Mit der Ramozhütte steht ein, für dieses Unternehmen, sehr vorteilhafter Stützpunkt zur Verfügung. Auch eine Kombination mit dem Arosa Rothorn, dem höchsten Plessurgipfel bietet sich an, was lediglich 200 Höhenmeter zusätzlich bedeuten würde und kaum technische Probleme bereitet.

Von allen Seiten kann die Pizza Naira bestiegen werden, wobei die Schwierigkeiten differieren. Am anspruchsvollsten ist der Ostgratanstieg direkt von der Furcletta aus, über dessen Besteigung im SAC-Führer nichts in Erfahrung zu bringen ist. Deshalb habe ich mich selbst aufgemacht um den Grat zu erkunden. Zu meiner Überraschung bietet er schönen festen Fels und anregende Kletterei durch steile Kalkrinnen. Den letzten schwierigen und brüchigeren Teilabschnitt zum Vorgipfel kann man linksseitig leichter umgehen, bevor von dort nun leichter der Gipfel in wenigen Minuten erreicht ist. Der untere Teil ist im Fels mit 3 zu bewerten und bietet einen sehr empfehlenswerten Anstieg. Hier werde ich mich allerdings auf die deutlich einfacheren Nord-und Südgratanstiege beschränken.

Der Wegverlauf

1 ) von Arosa über den Nordgrat

Von der Ortsmitte in Arosa folgen wir zuerst den Wegweisern in Richtung Untersee und von dort aus der Fahrstrasse zum Klärwerk und in die Isel. Am Klärwerk vorbei geht es nun geradeaus an der rechten Seite des Welschtobelbaches entlang durch lichtdurchflutete Nadelwälder, immer dem bezeichneten Weg zur Ramozhütte folgend. Die erste Abzweigung leitet linksseitig über eine kleine Holzbrücke zu den Alteiner Wasserfällen, wir aber halten uns rechts und wandern zuerst allmählich ansteigend auf sehr gradlinigem Weg immer weiter ins Welschtobel hinein. Nachdem die Baumgrenze erreicht ist überqueren wir den Welschtobelbach auf einer kleinen Holzbrücke, steigen aber weiter das Welschtobeltal hinauf. Nun über karge Schotterebenen bis ein Felsriegel das Tal abschließt. Nachdem der Weg diesen überwunden hat tauchen wir in eine weitere Hochebene ein. Hier befindet sich auch auf leicht erhöhtem Standpunkt die kleine, unbewartete Ramozhütte. Urgemütlich ist sie und bietet dem Selbstversorger alles was dieser sich Wünschen kann. Die Toilette befindet sich übrigens etwas neben der Hütte in einem kleinen Holzbüdchen. Wer direkt zur Pizza Naira aufsteigen möchte braucht aber nicht erst den kurzen Umweg über die Hütte zu machen, sondern kann geradewegs dem bezeichneten Pfad zur Furcletta folgen. Dieser führt eine weitere Dreiviertelstunde über steiles Geröll zur Passhöhe auf 2573 Metern. Der steile Ostgrat erstreckt sich nun direkt bis zum Wegweiser und bietet anfangs Gehgelände. Wir wenden uns also nach Rechts und folgen den Pfadspuren. Vor allem aber ist der Weg mit den weiß-rot-weißen Markierungen versehen, sodass er eigentlich kaum zu verfehlen ist. Kurz bevor der Grat sich aufsteilt verlassen wir ihn und steigen nach Rechts einige Meter in eine großräumige Schuttfläche ab. Weitere Markierungen leiten nun durch die steilen Schutthalden und Altschneefelder die nächsten 150 Höhenmeter bis zum Grateinschnitt zwischen Pizza Naira und Arosarothorn. Steil schwingt sich zur Linken der Nordgrat der Pizza Naira auf, man möchte kaum glauben, das es nur noch 90 Höhenmeter bis zum Gipfel sind, und dabei der erste Schwierigkeitsgrat nicht überschritten wird. Die brüchigen Felsen des ersten Steilaufschwungs lassen sich rechtsseitig umgehen, die des zweiten linksseitig, bevor ein zwar kurzes aber steiles und brüchiges Schuttfeld zum Gipfel leitet. Dieser ist mit spitzen Zacken versehen, welche den Namen "Schwarze Spitze" wirklich zurecht tragen.

Zum Arosarothorn

Wir steigen bis zur Grateinsattlung auf Punkt 2780 am Aufstiegsweg ab und folgen dann dem mit Markierungen versehenen Südgrat des Arosarothorns. Auf dem Orange schimmernden Schiefergestein weicht der Pfad den ersten felsigen Absatz rechts aus, der zweite wird unschwierig auf Reibung überschritten. Steiles Geröll bildet den Schlußhang, der dafür aber mit keinerlei Schwierigkeiten aufwartet und zudem sehr aussichtsreich ist. Etwa 45 Minuten sind zusätzlich einzuplanen von der Pizza Naira zum höchsten Punkt des Plessurgebirges.

Wer nach Arosa zurück möchte kann nun direkt über den Erzhornsattel absteigen und spart sich somit den Gegenanstieg aus der Isel.

2) Von Lenzerheide über den Südwestgrat

Vom Ort aus folgen wir zuerst einmal dem markierten Weg zur Alp Sanaspans (2105 m) hinauf. Von dort steigen wir geradeaus weiter, bis nach zwei weiteren Steilstufen endlich dann Culmet in Sicht kommt, der Übergang nach Alveneu auf knapp 2600 Metern Höhe. Kurz vor dem Erreichen dieses Übergangs wenden wir uns nach Links und durchschreiten das Tal des Lai Grond (2592 m). An diesem klaren Bergsee vorbei kann amn nun direkt über einen Rasenhang zum tiefsten Punkt im Verbindungsgrat von Piz Mez und Pizza Naira ansteigen (2659 m). Wegspuren leiten über sehr steile Trümmerhalden, aber unschwierig zum höchsten Punkt. Ganz zum Schluß muß noch ein Felsabsatz auf der rechten Seite umgangen werden, dann ist die Sicht frei. In direkter Nähe dominieren Lenzerhorn und Arosarothorn, auch die Bergünerstöcke und die Keschgruppe setzen sich nachhaltig in Szene.

Talorte: Arosa (1800 m), Lenzerheide (1500 m)

Ausgangspunkte: Arosa oder Lenzerheide

Zeiten: Arosa-Pizza Naira: 4 - 4,5 St. , Abstieg: 3 St. ; Lenzerheide-Pizza Naira: 4-4,5 St. , Abstieg: 3 St.

Höhenunterschiede: Arosa-Pizza Naira: 1300 Hm. + 200 Hm. Gegenanstieg ; Lenzerheide-Pizza Naira: 1400 Hm. ; Arosa Rothorn +200 Hm.

Schwierigkeiten: Nordgrat : 1 ; Südwestgrat: steiler Schutt, Gehgelände ; auf beiden Routen ist mit Altschneeresten zu rechnen

Stützpunkte: Ramozhütte (2294 m)

Übernachtungsmöglichkeiten im Talort: siehe Tiejerflue und Lenzerhorn

ÖPNV-Anbindungen: siehe Tiejerflue und Lenzerhorn